Musikdrucke aus der Berner Offizin des Mathias Apiarius

Im Jahre 1537 liess sich Mathias Apiarius (um 1500–1554) als erster Buchdrucker in Bern nieder. Bis zu seinem Tod im Jahr 1554 gingen aus seiner Offizin zahlreiche Druckerzeugnisse unterschiedlichster Art hervor, darunter auch vier Musikdrucke. Diese sind die frühesten Schweizer Musikdrucke überhaupt und umfassen einen Musiktraktat, einen Lieddruck sowie zwei Stimmbuchsätze mit mehrstimmigen Kompositionen. Der Musiktraktat, das Compendium musices des Lüneburger Schulkantors Auctor Lampadius, markiert den Beginn von Aparius' Berner Tätigkeit und spiegelt seine breite Vernetzung im deutschen Musikleben, die wohl von seiner früheren Zusammenarbeit mit dem Strassburger Notendrucker Peter Schöffer herrührte. Die beiden Stimmbuchsätze sind dem Hymnenzyklus von Cosmas Alder bzw. zweistimmigen Gesängen von Johannes Wannenmacher gewidmet und entstanden im Jahr vor Apiarius' Tod. Als Monumente für zwei kurz zuvor verstorbene Berner Musikerpersönlichkeiten bilden sie singuläre Dokumente der Schweizerischen Musikgeschichte des 16. Jahrhunderts. Der undatierte Lieddruck schliesslich unterscheidet sich von den übrigen Lieddrucken Apiarius' durch die Beigabe der Melodie und wird hier lediglich als Digitalisat des einzigen bekannten, in der Zürcher Zentralbibliothek verwahrten Exemplars wiedergegeben.

Der Traktat und die Stimmbücher werden hiermit erstmals in vollständiger moderner Übertragung bzw. Übersetzung (im Falle des Traktats) vorgelegt und Digitalisaten von Exemplaren der Drucke aus Padua (Biblioteca Universitaria, Lampadius), Göttingen (Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek, Wannenmacher I), München (Bayerische Staatsbibliothek, Wannenmacher II) sowie Halle (Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt, Alder) gegenüberstellt. Die Editionen wurden von Michael Matter (Lampadius), Martina Simone Mengele (Wannenmacher) sowie Stefan Bucher und Viktoria Supersaxo (Alder) vorgenommen und durch Klaus Pietschmann am Institut für Musikwissenschaft der Universität Bern koordiniert.

Klaus Pietschmann